Australische Wissenschaftler warnten, dass ein Eisberg dieser Größe die Meeresströmung und damit das Wetter tausende Kilometer entfernt beeinflussen kann. Deutsche Forscher teilen diese Befürchtungen allerdings nicht.
Die australischen Antarktisforscher tauften den neuen Eisberg zunächst inoffiziell Mertz-Eisberg. In der Zunge des Mertz-Gletschers war schon vor 20 Jahren ein Riss entstanden. Ein zweiter Riss bildete sich vor zehn Jahren an der gegenüberliegenden Seite der Gletscherzunge. «Die beiden Risse hatten sich kürzlich nahezu verbunden», berichtete das australische Antarktis-Forschungszentrum. «Der nördliche Teil der Gletscherzunge hing nur noch wie ein loser Zahn am Eis.»
Vor etwa zwei Wochen riss die Zunge schließlich ab, weil ein anderer, ähnlich gigantischer Eisberg sie gerammt hatte. Dieser Koloss mit der Bezeichnung B9B war 1987 vom Ross-Schelfeis abgebrochen und hatte zuletzt 18 Jahre auf Grund festgesessen. Kürzlich löste sich B9B, kollidierte mit der Mertz-Gletscherzunge und riss sie ab. Der resultierende neue Eisberg ist 400 Meter hoch, umfasst eine Fläche von 2500 Quadratkilometern und ist damit so groß wie Luxemburg. Ein solches Ereignis komme nur einmal in 50 bis 100 Jahren vor, meinte Young.
Der Mertz-Gletscher fließt mit etwa einem Kilometer pro Jahr ins Meer und transportiert dabei zehn bis zwölf Milliarden Tonnen Eis in den Ozean. Der nun abgebrochene Eisberg brauchte daher rund 70 Jahre, um sich zu bilden. Der verbliebene Stummel der Gletscherzunge ragt nur noch etwa 25 Kilometer ins offene Meer, zieht sich landeinwärts allerdings noch durch einen etwa 60 Kilometer langen Fjord.
«Die künftige Bewegung der beiden Eisberge ist von größtem Interesse», teilte das australische Antarktis-Forschungszentrum mit. Der Mertz-Eisberg und der B9B driften in einer Region, die die Weltmeere mit besonders dichtem, kalten Wasser versorgt und so die tiefe Ozeanzirkulation antreibt. Die Folgen einer möglichen Veränderung der Strömungen seien noch nicht abzusehen. Auch das Ökosystem in der Region könne nachhaltig verändert werden.
Großräumige Konsequenzen erwartet der deutsche Polarfoscher Klaus Grosfeld vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven nicht. «Befürchtungen, nachdem der neue Eisberg auch in vielen tausend Kilometern Entfernung den Ozean und sogar das Wetter beeinflussen könnte, würde ich im Moment nicht mittragen», sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Prese-Agentur dpa. «Regional wird es aber sicherlich Einfluss auf das Ökosystem haben.»
Erst Anfang der Woche hatte das AWI eine andere sensationelle Eiskarambolage aus der Antarktis vermeldet. Ein 54 Kilometer langes Eisstück rammte die Schelfeiskante nur zehn Kilometer von der deutschen Polarstation «Neumayer III» entfernt. Mit dem Abbruch am Mertz-Gletscher hatte das aber nichts zu tun, wie Grosfeld betont. «Beide Orte liegen jeweils an gegenüberliegenden Küsten der Antarktis.» Sie trennten rund 5000 Kilometer Luftlinie.
Weitere Detailinformationen und beeindruckende Bilder finden Sie unter awi.de, dlr.de und aad.gov.au
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