Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Sie sind hier: Home » Klimawandel
Seite empfehlen

Experten warnen: die Arktis versauert (22.07.2010)

Kohlendioxid gilt als Hauptübel für den Klimawandel. Jetzt lenken Forscher und Greenpeace den Blick auch auf die ökologischen Schäden durch das Treibhausgas für die Ozeane. In den größten Reagenzgläsern der Welt sammelten sie dafür auf einer Expedition Arktis-Wasser. Mit der Versauerung könnten die Meere als eine der größten Kohlenstoffsenken der Erde (rund ein Drittel CO2) könnte aus dem Takt geraten.

Kiel - Um 10.25 Uhr macht die «Esperanza» (Hoffnung) am Donnerstag an der Pier im Kieler Hafen fest. Das Greenpeace-Schiff mit den markanten Regenbogenfarben am Bug und dem Schriftzug «Defending Our Oceans» (Schützt unsere Meere) ist zurück von einer dreimonatigen, bislang einzigartigen wissenschaftlichen Expedition in der Arktis. Doch die Botschaft von Umweltschützern und Wissenschaftlern ist alles andere als hoffnungsfroh. Die Meere «versauern» zunehmend durch die hohe Kohlendioxid-Belastung.

Was ist unter der Ozeanversauerung zu verstehen?

Durch den hohen Kohlendioxid-Ausstoß gelangt immer mehr von dem Treibhausgas ins Meer. Die Folge: Im Wasser ist immer weniger Kalziumkarbonat. Dies ist aber wichtig für die Kalkbildung von Pflanzen und Tieren. Stark betroffen sind alle kalkbildenden Organismen. Dazu gehören Korallen, Muscheln, Seeigel oder Schnecken und auch das Plankton - also die Basis der Nahrungskette. «Skelette von Tieren werden durch das langsamere Wachstum brüchiger, Muschelwände sind dünner als bisher», beschrieb die Greenpeace-Biologin Iris Menn die negativen Folgen.

Aussetzen der Mesokosmen Bild: IFM Geomar  Signe Klavsen«Für uns stellt sich die Frage, ob möglicherweise die Nahrungskette an irgendeinem Glied zusammenbrechen könnte», sagte Prof. Ulf Riebesell vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar am Donnerstag. Der Wissenschaftler leitet das Forschungsprojekt mit 35 Experten aus zwölf europäischen Instituten. Auch Greenpeace war beteiligt und kartierte im Rahmen der Expedition außerdem 3000 Quadratkilometer des arktischen Meeresbodens nördlich von Spitzbergen, wie Menn berichtete.

«Erstmals untersuchen wir das gesamte Ökosystem Arktis auf die Folgen der Versauerung», sagte Riebesell. In der Vergangenheit habe man lediglich einzelne Organismen im Labor erforscht. Jetzt wurden in der Arktis in neun 17 Meter langen Mesokosmen - den «größten Reagenzgläsern der Welt» - jeweils etwa 55 000 Liter als Wassersäule gesammelt und unterschiedlich hohe Kohlendioxid-Konzentrationen dazugegeben. «Wir haben Bedingungen simuliert, wie sie in 20, 40 oder 60 Jahren und weiter in der Zukunft zu erwarten sind, wenn die Emissionen im bisherigen Maße fortschreiten.»

Die Meere stehen vor einem großen Wandel. Mindestens seit 20 Millionen Jahren seien die Ozeane übersättigt gewesen mit Kalk, sagte Riebesell. Durch die Ozeanversauerung werde in den nächsten zehn Jahren in einigen Teilen der Arktis und bis 2050 die Hälfte der Arktis aber unter Kalkmangel leiden - mit den entsprechenden Folgen fürs Ökosystem. So sei absehbar, dass in 30 oder 40 Jahren das Wachstum der Korallen geringer ausfallen werde als ihre Erosion. Im Klartext: Die Korallen vergehen schneller als sie nachwachsen können.

Warum wurde das Arktis als erstes Meer für das Forschungsprojekt ausgewählt? «Weil es zeitlich am schnellsten und am härtesten betroffen ist, denn im kalten Wasser löst sich CO2 schneller», erklärte Riebesell. In Kiel wurden «die Mesokosmen von Bord der «Esperanza» in eine Halle des IFM-Geomar gebracht. Die beteiligten Institute in ganz Europa erhalten Proben und werden diese auswerten. Im Dezember kommen alle Forscher nach Kiel, um ihre Messeergebnisse vorzustellen. Im April 2011 in Wien wird sich eine Sektion der European Geosciences Union (EGU) mit dem Thema befassen.

Von Matthias Hoenig, dpa


Lesen Sie auch:

Ozeanversauerung in der Arktis: 'Eine Lebensgemeinschaft in Auflösung' (hier)

Ozeanversauerung schädigt in den Polargebieten früher und stärker als anderswo (
hier)

 


 


Aktuelle Markdaten und Börsenkurse

Climate Change News by Climate Ark

09.09.2010

Analyse: Chinas Klimapolitik

Audi startet Elektroautoflotte in München

KfW: Förderprogramme leisten elementaren Beitrag beim Ausbau Erneuerbarer Energien

Frankreich investiert 15 Mrd. Euro in Offshore-Windanlagen

MEPs call for an EU green jobs strategy by 2011

Studie: Deutsche fahren wieder auf starke Autos ab

21.10.10: Energieeffizienz in Gebäuden in Bulgarien und Rumänien

TEHG-Entwurf beseitigt Unsicherheit bei Minderungszertifikaten nicht

London soll Zentrum für grüne Investitionsbewegung werden

08.09.2010

EU will Energienetze ausbauen

Verärgert: Österreich will Sondertreffen mit Deutschland zu Atom

Deutsch-chinesische Kooperation will Satellit zur Treibhausgas-Überwachung entwickeln

LobbyControl fordert Offenlegung von Atom-Vertrag

CO2-Abscheidung – eine ‚Energiebrücke’ ins Nichts?

Windbranche fürchtet nach Atom-Deal Flaute

Klimaschutz: Schifffahrt will weltweit weg vom Schweröl

07.09.2010

Hauseigentümer kritisieren «Sanierungs-Zwang»

Telekom gibt Startschuss für Aufbau intelligenter Stromnetze

BDEW zum Energiekonzept: Vor allem der Wettbewerb und KWK kommen zu kurz

Der Atomdeal spaltet die Republik

Schweiz will Schutz der Biodiversität verstärken

Kommission startet Umfrage über EU-Politik zur biologischen Vielfalt

Biologisch vielfältige Wälder lohnen sich auch im Klimaschutz - Kritik an REDD

Deutschland und Japan arbeiten bei Elektromobilität zusammen

Emissionsreduktion durch Smart Meter bislang kaum möglich

Nach Atomkompromiss: Kommunale Versorger wollen Ausgleich

06.09.2010

Der Kampf um den Atomdeal beginnt erst

Europa ist bei der Atomenergie gespalten

Klimawandel gefährdet ausreichende Pflanzenbestäubung

EEX Handelsergebnisse für CO2-Emissionsrechteim August

Wissenschaft will alte Satellitendaten für künftige Klimaforschung nutzen

Brüderle und Röttgen legen Energiekonzept vor

WWF legt Analyse durch Ökoinstitut vor: Energiewende ausgebremst

Italien passt Solarförderung an Marktgegebenheiten an

Einigung bei Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke

05.09.2010

CO2-Abscheidung: Vielversprechende Test-Ergebnisse

Energiedebatte lässt Wüstenstrom-Projekt außen vor

Schwarz-Gelb spielt bei Atom auf Risiko

04.09.2010

Ontario/Kanada: Kohleausstieg für 2014 beschlossen

03.09.2010

Regierung bei Atomfrage auf der Zielgeraden

Regierung kommt bei Energiekonzept in Sachen Energieeffizienz voran

Ermittler sichern Millionen bei Umsatzsteuerbetrügern

UN: Berlin muss über eine Milliarde für Klimaschutz zahlen

Schweizer Erfolgsbilanz: 46 Fernwärmenetze mit erneuerbarer Energie gehen in Betrieb

Siemens ermittelt Deutschlands grünste Stadt

Zeitung: Wulff sieht Grenze für AKW-Laufzeiten bei neun Jahren

02.09.2010

«Süddeutsche»: Umweltministerium rügt Atomgutachten

UN erwarten erste Geldmittel für Klimaschutz

Klimawandel begünstigt Hurrikan-Entstehung

Koalition will Atomfrage am Sonntag abräumen

Klimawandel: Durchschnittstemperaturen steigen, mehr heiße Tage

Es fehlt ein faires und grünes Handy : Germanwatch fordert mehr Nachhaltigkeit

Ökodesign-Richtlinie: 'Top Runner'-Prinzip ist Leitbild

Autoexperten: Industrie könnte viel klimafreundlichere Pkw bauen