Kleine Länder wie Taiwan machen nur drei Prozent der globalen Landmasse aus, sind allerdings für 35 Prozent der weltweiten Kohlenstoffeinträge ins Meer verantwortlich. Bis jetzt war es nicht bekannt, wie das funktioniert. Die Wissenschaftler hatten zur Untersuchung dieser Mechanismen den Gaoping Fluss erforscht, der auf 4.000 Meter Höhe entspringt und in den 260 Meter tiefen Gaoping Unterwasser Canyon fließt. Von dort gelangt das Wasser in den mehr als 3.000 Meter tiefen Manila-Graben.
Sedimente landen in der Tiefsee
"Mit einem Höhenunterschied von rund 7.000 Metern gibt es einige interessante Phänomene zu beobachten", so Liu. Nach tropischen Wirbelstürmen konnten die Wissenschaftler immer braunes, sedimentreiches Wasser an der Mündung des Flusses beobachten. "Es war uns unklar, wohin diese Sedimente schließlich hingelangen", erklärt der Forscher. In den Sedimenten waren sowohl frischer organischer Kohlenstoff von Pflanzen und Tieren als auch anorganischer vom Boden und von Mineralien enthalten.
Liu und sein Team haben zwischen Juli und September 2008 vier tropische Wirbelstürme beobachtet. Dabei konnten sie nach den ersten beiden Stürmen, Sedimente aus dem Fluss an den tiefsten ausgewählten Messpunkten - rund 650 Meter unter Wasser - entdecken. "Da aber Süßwasser eine geringere Dichte als Meerwasser aufweist, sinken Bestandteile des Flusses normalerweise nicht tiefer als ein paar Meter. Wenn der Gaoping Fluss nach einem Sturm braun gefärbt ist und das Wasser die Berge hinabfließt, bewegen sich die Sedimentteile viel tiefer in den untermeerischen Canyon als bisher angenommen", so der Forscher.
30.000 Tonnen Kohlenstoff pro Tag
Die Taifune dauern zwar nur wenige Tage an, sind jedoch in der Lage riesige Mengen an Kohlenstoff umzuschichten. "Allein der Taifun Kalmaegi hat an einem Tag 30.000 Tonnen Kohlenstoff ins Meer transportiert. Mit den Strömungen waren drei Viertel davon ins Südchinesische Meer gelangt", berichtet Liu.
"Die Mengen an Kohlenstoff sind tatsächlich groß", meint der Meteorologe Bernhard Pospichal von der Wiener Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at im pressetext-Interview. Diese Rechnungen haben jedoch nichts mit dem atmosphärischen CO2 zu tun, betont der Forscher. Der Starkregen bei solchen tropischen Stürmen fördert die Erosion. Dadurch gelangen große Mengen von Sedimente in den Fluss. "Fraglich ist, welche Auswirkungen solche großen Mengen von Sedimenteinträgen auf den Ozean selbst haben", meint Pospichal. "Vorstellbar ist eine Übersäuerung durch den Kohlenstoff."
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