Der EU-Emissionshandel wirkt sich auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nur gering aus.
Selbst wenn die Unternehmen Emissionsberechtigungen ab 2013 nicht mehr wie bisher kostenlos erhalten, ist lediglich damit zu rechnen, dass nur in einzelnen, wenigen Branchen Produktion ins Ausland verlegt werden könnte.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Öko-Institut, Fraunhofer ISI und DIW Berlin im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).
Damit liegt erstmals eine empirische Grundlage für die kontrovers geführte Diskussion um das Carbon Leakage vor. Carbon Leakage bedeutet kurzgefasst: Industrielle Produktion im Inland wird wegen des Emissionshandels so teuer, dass Produktion und (Klimagas-)Emissionen in Länder verlagert werden, in denen keine oder geringere Klimaschutzauflagen gelten. In der Europäischen Union (EU) sinken dadurch Umsatz und Beschäftigung. Den zunächst geringeren Emissionen in der EU stehen höhere Emissionen im Ausland gegenüber.
Laut Studie sind nur Unternehmen gefährdet, bei denen hohe Kostenbelastung und intensiver Wettbewerb mit außereuropäischen Konkurrenten zusammenkommen. In Deutschland betrifft dies die Branchen Roheisen und Stahl, Düngemittel, Teile der chemischen Industrie, Papier, Karton und Pappe sowie die Aluminiumindustrie. Insgesamt sind aber weniger als ein Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts von Abwanderung gefährdet.
Die Ergebnisse und Methodik der Studie wurden am 4. und 5. September in Berlin auf einem internationalen Workshop diskutiert und mit ähnlichen Studien aus Großbritannien und den Niederlanden verglichen. Die Ergebnisse des Workshops gingen ein in das neue Papier „Carbon Leakage – Die Verlagerung von Produktion und Emissionen als Herausforderung für den Emissionshandel?“ Das Papier fasst die Ergebnisse der Studien zusammen und behandelt darüber hinaus die zum Thema Carbon Leakage relevanten Fragen und Argumente. Besonderen Raum nimmt die Frage ein, wie sich der „Carbon Leakage“-Gefahr begegnen lässt: Die langfristig beste Lösung ist ein weltweites, ambitioniertes Klimaabkommen mit vergleichbaren Anforderungen an die nationalen Emissionsminderungen für Treibhausgase.
Die komplette Studie "Impacts of the EU Emissions Trading Scheme on the industrial competitiveness in Germany" ist auf der Internetseite des Umweltbundesamtes abrufbar (Bild anklicken).
Die Vorträge des Workshops können auf der Internetseite des Öko-Instituts eingesehen werden.
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