Zu den Referenten zählten Dr. Marzena Chodor, Policy Officer, DG Climate Action der EU, Benedikt von Butler, Director of Sales, Environmental Products, der Citigroup Global Markets Ltd., sowie Dr. Roland Geres, Geschäftsführender Gesellschafter der FutureCamp Holding GmbH. Im Mittelpunkt der Diskussion standen neben dem bisherigen Prozess und der Zukunft der CDM- und JI-Projekte auch Large Hydro Projekte im Rahmen des EU-Emissionshandels.
„Der CDM wird weiter existieren und die CDM-Emissionszertifikate (CERs) werden in jeden Fall auch nach 2012 im EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) einsetzbar sein.“ Dies ist die Hauptaussage von Dr. Roland Geres, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung FutureCamp Holding GmbH, bei einer von der CO2-Börse greenmarket initiierten CDM-Expertenrunde am 17. Juni 2010 in München. Er unterstrich, dass die Basis für die zukünftige Nutzung von CERs und ERUs im EU-EHS vorhanden ist, aber dass „die EU Marktbeeinträchtigungen aufgrund von unklarer Kommunikation und aufgrund technischer Unsicherheiten vermeiden sollte.“ Laut Geres funktionieren die Mechanismen CDM und JI zufriedenstellend und sollten weitergeführt werden. Sie sollten allerdings auch weiter verbessert werden und können im Laufe der Zeit um neue Mechanismen ergänzt werden. Darüber hinaus sollten qualitative Anforderungen der EU an CERs sehr klar definiert werden.
Bendikt von Butler, Director of Sales bei Citigroup, zeigte einige Unsicherheiten wie das EU-Reduktionsziel (20 Prozent oder 30 Prozent) und die Benchmarks im EU ETS auf. „Ich habe ein Déjà vu, wenn ich mir diese Unsicherheiten betrachte. Das erinnert mich an die Jahre 2003/2004, kurz bevor das EU-EHS gestartet ist“, erklärte er auch in Hinblick auf die Diskussion um CER-Restriktionen im EU-EHS und auf die Ausgestaltung und den Zeitpunkt der geplanten Auktionen 2013-2020.
„Es gibt Punkte, die klar geregelt sind, aber einige Punkte sind weiterhin in einer Grauzone“, fügt Geres hinzu und forderte von der EU, „die Grauzone möglichst klein und den Zeitpunkt, in der sie existiert, möglichst kurz zu halten.“ Er ermutigte die Marktteilnehmer, ihre CDM/JI-Aktivitäten fortzuführen und ein Auge auf neue Entwicklungen in diesem Bereich zu werfen. Von Butler erläuterte die zahlreichen Möglichkeiten im CO2-Bereich, insbesondere in Hinblick auf EUA/CER-Swaps: „Swaps sind jederzeit sinnvoll, unabhängig von der CO2-Verpflichtung des Unternehmens. Entscheidend sind der Zeitpunkt und die Art des Swaps.“
Er ist sich sicher, dass das Angebot an CERs weiter wachsen wird. Die Höhe der Nachfrage sei aber stark abhängig vom Grad der Verpflichtung der wichtigsten internationalen Akteure wie der EU, Japan und den USA. „Es wird auch einen wachsenden Markt bei programmatischen Projekten (PoA) und in sog. „Least Developed Countries“ (LDC) geben”, so Geres, der betont, dass diese Projekttypen sehr werthaltige Zertifikate generieren werden, falls die Regeln klar gesetzt sind.
Marzena Chodor, DG Climate Action European Commission, bestätigte, dass CERs aus LDCs auch dann im EU-EHS eingesetzt werden können, wenn das Land nach der Registrierung des Projekts seinen LDC-Status verliert. In Bezug auf ERUs, die bis 2012 generiert werden, äußerte sie, dass nicht nur sog. Track 2 Projekte (bei denen das Verfahren dem CDM ähnelt), sondern auch das vereinfachte, unilaterale Track 1 Verfahren weiterläuft, falls ein internationales Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll angenommen werden wird. Die daraus generierten Zertifikate würden dann auch im EU-EHS nach 2012 akzeptiert werden, sofern die sog. Doppelzählung ausgeschlossen werden kann.
Chodor unterstrich auch die Bedeutung von Erneuerbare Energien Projekte und dabei insbesondere die Rolle von Large Hydro Projekten. Sie betonte, dass die zusätzlichen Kriterien in der EU-Richtlinie für die Annahme von Large Hydro Projekten für alle EU-Mitgliedsstaaten bindend seien. Darüber hinaus sind seit dem 1. Juli 2009 neue Regularien für die Genehmigung von Large Hydro Projekten in Kraft getreten, die von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt wurden, um den CO2-Märkten die erforderliche Sicherheit zu geben.
Zum jüngsten EU-Papier hob Chodor auf Nachfrage hervor, dass in einigen Szenarien das 30%-Reduktionsziel bis 2020 (verglichen mit 1990) unter annehmbaren Kosten erreichbar sei, ohne den Zugang zu internationalen Zertifikaten erhöhen zu müssen. Es ist allerdings noch nicht sicher, ob sich die EU zu einer unilateralen Erhöhung des Reduktionsziels entscheiden wird und welcher der Reduktionspfade eingeschlagen werden soll.
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